Pressetext / Biographie
„INS GRAS“ – Album – VÖ: 27.02.2026
Picknickdecke oder Leichentuch? Der Albumtitel „Ins Gras“ weckt allerlei unterschiedliche, gar konträre Assoziationen – und ausnahmslos alle sind richtig. Der Berliner Singer-Songwriter Sven van Thom, mittlerweile in Hessen zuhause, hat seine thematisch vielschichtigste und musikalisch abwechslungsreichste Platte aufgenommen, mit der er ein ungewöhnliches Anliegen verfolgt: „In Zeiten von Selbstoptimierung, dem perfekten Lächeln auf Social Media und der Jagd nach ewiger Jugend und Schönheit, möchte ich mich für die bedingungslose Inklusion des Scheiterns aussprechen.“
Dem 48-Jährigen sind Unzulänglichkeiten nicht fremd: „Ich selber versage täglich, verfehle ständig meine selbstgesteckten Ziele: Ich gehe schon wieder nicht ins Fitness-Studio, obwohl ich seit Jahren für die Mitgliedschaft bezahle. Ich schaue lieber die 346. Beatles-Doku auf YouTube, anstatt die Steuererklärung einmal im Leben nicht auf die letzte Minute abzugeben. Vor allem bin ich in den letzten Jahren oft daran gescheitert, das aktuelle Politikgeschehen adäquat mit humoristischen Liedern zu kommentieren. Anstatt über Putins Einmarsch in die Ukraine zu schreiben, ist nur ein Sauflied dabei herausgekommen: „Hoch die Tassen, Prost!“ schickt immerhin einen eindringlichen Gruß an den Stammtisch der selbstgerechten Egoisten und Machtmonopolisten.
Unverschämt lange Zeit gelassen hat van Thom sich für sein fünftes reguläres, erneut im Alleingang eingespieltes Album. Untätig war der Multi-Instrumentalist in dem halben Jahrzehnt aber nicht: Er hat die Filmmusik für die preisgekrönte Berliner Italowestern-Huldigung „Tram“ komponiert, den Deutschen Kinderliederpreis gewonnen, und die Texte für „Carpe Fucking Diem“, das neue Werk des Hamburger Musical-Maestros Martin Lingnau, geschrieben. Außerdem zwei Alben mit seinem Comedy-Duo „Tiere streicheln Menschen“ veröffentlicht, auch bekannt durch ihre Dauer-Radiokolumne bei radioeins (rbb).
Die 16 Stücke von „Ins Gras“ sind gleichermaßen unterhaltsam und gesellschaftskritisch, politisch und privat, klug und albern, schonungslos und empathisch. Mit anderen Worten: Sven van Thom legt den Finger in die Wunde und reicht das lindernde Pflaster gleich hinterher.
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Das Eröffnungsstück von „Ins Gras“, eine musikalische Verbeugung vor Scott Walkers Jacques-Brel-Cover „Jackie“, verkündet: „Die Luft hier, sie wird immer dünner!“ Der fidele Pessimismus klingt ebenso nach routinierter Resignation wie nach Koketterie. Im bittersüß beschwingten, von Harfe und Flöten dekorierten Titeltrack heißt es: „Jeder beißt einmal ins Gras.“ Vergänglichkeit, Älterwerden, der Lauf der Zeit – das ist ein weiterer roter Faden dieser Platte, jedoch, anders als beim Vorgänger „Liebe & Depression“ (2021), ohne Konzeptalbum-Anspruch. Die agile Darkwave-Persiflage „Staubsaugerarm“ trifft auf den sich sanft aufbäumenden Kammerpop von „Wütend auf junge Menschen“, beide widmen sich ebenso hingebungsvoll wie heiter dem eigenen Verfall.
„Der Life-Coach“ will uns seine Optimierungs-Formel andrehen, scheitert am Ende aber selbst kläglich – ganz im Gegensatz zur geglückten Eels-Referenz in van Thoms Arrangement. Auch die Powerpop-Nummer „Ich kann mich nicht entscheiden“ ragt heraus: „1966 wäre es vielleicht ein Hit geworden“, lacht er. Mit seiner ehemaligen Band Sofaplanet landete van Thom vor 25 Jahren tatsächlich einen Top-10-Hit. Und seine Sixties-Hommage-Kapelle Beatplanet wurde sogar ins Vorprogramm von Die Ärzte eingeladen.
Die opulente Ballade „A Dark Place“ zelebriert, sich in einer langjährigen Beziehung immer wieder füreinander zu entscheiden. Das Duett wurde von Rolling Stone-Autorin Ina Simone Mautz komponiert, der Text gemeinsam mit van Thom geschrieben.
Für zwei weitere Stücke hat er sich weibliche vokale Unterstützung eingeladen: Mit Wencke Wollny (Karl die Große) singt er „Das schönste Lied der Welt“, mit Suzie Kerstgens von der Kölner Band Klee das „Lied für Dein gebrochenes Herz“. Van Thoms Faible für Duette ist schnell erklärt: „Die Platten von Nancy Sinatra & Lee Hazlewood gehören seit Jahrzehnten zu den schönsten Schätzen in meiner Plattensammlung!“
BIOGRAPHIE
Sven van Thom, geboren 1977 als Sven Rathke in der Nähe von Berlin, war Frontmann der Band Sofaplanet (der vor 25 Jahren ein Top-10-Hit gelang) und Kopf der Sixties-Hommage-Kapelle Beatplanet, die von Bela B ins Die Ärzte-Vorprogramm und von Stefan Raab zum „Bundesvision Song Contest“ eingeladen wurde. Sein Solo-Schaffen bescherte ihm bislang zwei Top-30-Singles, die er glücklichen Fügungen zuschreibt: „Trauriges Mädchen“ und „Schatz, halt’s Maul“. Mit „Jaqueline ( Ich hab Berlin gekauft)“ nahm er im Jahr 2009 abermals am BundesVision Song Contest teil und belegte für das Land Brandenburg den neunten Platz.
Bisher veröffentlichte Sven van Thom 5 reguläre Solo-Alben: Phantomschmerz (2008), Ach! (2012), So geht gute Laune (2015), Liebe & Depression (2021) und Ins Gras (2026).
In seiner wöchentlichen Radiokolumne „Pudding mit Frisur“ für radioeins (RBB) kommentierte er, von 2016 bis 2018, aktuelle Ereignisse in Songform. Die CDs Pudding mit Frisur, Teil 1 bis 3 versammeln die dafür entstanden 80 Songs auf drei Alben. Nicht zu vergessen sein Duo „Tiere streicheln Menschen“, das seit über 20 Jahren eine unterhaltsame Melange aus Lesung, Konzert und Comedy serviert. Dass im Kosmos des Multi-Instrumentalisten unerwartete Seiten lauern, konnte man spätestens mit der Veröffentlichung seines mehrfach ausgezeichneten Kinderlieder-Albums „Tanz den Spatz“ (2018) erahnen, das sich aus seiner Mitwirkung am beliebten Indie-Singer-Songwriter-Familienspaß „Unter meinem Bett“ ergeben hatte. 2021 folgte das Album „Spuckepack – Neue Kinderlieder“ und 2023 der deutsche Kinderliederpreis für sein Lied „Du guckst ja gar nicht“. 2024 veröffentlichte er den Soundtrack zum 36-minütigen Kurzfilm „TRAM – Wasch Dir vorm Sterben nochmal die Hände!“ – eine Italowestern-Hommage aus der Feder von van Thoms Tiere-streicheln-Menschen-Mitstreiter Martin Gottschild. Der Soundtrack ist als eine Verbeugung vor den Großtaten Ennio Morricones zu verstehen.
2020 kehrte van Thom Berlin den Rücken und lebt seitdem in der Hessischen Provinz, in der Nähe von Frankfurt. Nachdem er sich, seit seinem Umzug, vorrangig Kinderkonzerten und unzähligen Shows mit Tiere streicheln Menschen gewidmet hat, geht er ab Ende 2026 mit seinem neuen Programm „Das schönste Lied der Welt und andere Lügen“ endlich wieder auf Solo-Tour.